Alkoholsucht: Was Angehörige tun können

Nutzen Sie für sich und den Suchtkranken Hilfsangebote

Alkohol kann in ungesunden, großen Mengen süchtig machen. Wie jede Sucht tritt auch diese Form der Abhängigkeit nicht von einem Tag auf den anderen auf, sondern ist ein schleichender Prozess. Ist ein Verwandter, der Partner oder ein enger Freund alkoholabhängig, finden sich die Nahestehenden schnell in einer physisch wie psychisch belastenden Situation wieder. Experten sprechen hier von einer Co-Abhängigkeit. Die meisten Angehörigen möchten Verantwortung für den Kranken übernehmen. Sie sehen es daher als ihre Pflicht an, Hilfe anzubieten. Doch statt einer Einsicht erleben sie oftmals Rücksichtslosigkeit, Kälte und Verdrängung. So verändert die Abhängigkeit nicht nur das Leben des Kranken selbst, sondern auch das der Angehörigen und Freunde. Sie haben weniger Zeit und Ruhe und kümmern sich oftmals mehr um die Bedürfnisse des anderen, anstatt auf ihre eigenen zu achten. Einige Strategien helfen dabei, den Schritt zurück in ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben zu machen.

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Eine Alkoholabhängigkeit kommt meist nicht über Nacht. Sie entsteht schleichend und beginnt oftmals mit dem obligatorischen Glas Wein am Abend zum Stressabbau . Aus dem einen Glas werden schnell zwei Gläser und dann eine ganze Flasche. Irgendwann geht es gar nicht mehr ohne. Angehörige und Freunde betrachten den Prozess mit Sorge. Wie Sie sich selbst schützen und damit den Suchtkranken indirekt auch unterstützen, erfahren Sie hier.

 

Nicht drohen, motivieren

Fast jeder Alkoholiker kann sich seine Sucht nicht eingestehen. Dementsprechend aggressiv reagiert er, wenn Angehörige mit Hilfsangeboten auf ihn zukommen. Ein Kranker sucht erst dann nach einem Ausweg, wenn der Leidensdruck zu groß wird – schließlich empfindet er sich vorher ja nicht als „krank“. Es ist keinesfalls verkehrt und sogar notwendig, dem Betroffenen seine Sucht vor Augen zu führen. Allerdings helfen Vorwürfen und Beschuldigungen nicht weiter, sondern führen nur dazu, dass sich der Kranke weiter zurückzieht. Gezielte Motivationen sind sinnvoller, um den Suchtkranken zu einer Einsicht und in eine richtige Richtung zu lenken.

 

Abstand und Freiräume bewahren

Einer der wichtigsten Grundsätze für Angehörige von Alkoholkranken ist es, ihre eigenen Bedürfnisse weiterhin an sich heranzulassen und sich genügend Freiraum zu nehmen. Nur wer selbst neue Kraft tanken kann und ein wenig Abstand zur Situation bekommt, kann helfen und andere im Leben unterstützen. Es ist keine Option, sich für alles verantwortlich zu fühlen. Angehörige sind in keinster Weise verpflichtet, die alltäglichen Aufgaben des Kranken zu übernehmen.

Im Gegenteil: Klare Grenzen sind notwendig. So darf dem Kranken nicht seine komplette Verantwortung abgesprochen werden, denn nur so ist er irgendwann in der Lage, sich die Folgen seiner Sucht bewusst zu werden und einzugestehen. Dasselbe Prinzip greift auch dann, wenn der Kranke Kränkungen ausspricht und verbal ausfallend wird. In den meisten Fällen ist das nicht persönlich gemeint, sondern eine Begleiterscheinung seiner Sucht. Aber auch in dem Fall gilt es, sich abzugrenzen und emotional vom Geschehen zurückzuziehen.

 

 

Professionelle Hilfe und Selbsthilfegruppen aufsuchen

Für einen Angehörigen ist eine professionelle Beratung ebenso wichtig wie für den Kranken selbst. Die meisten Angebote von Experten sind unverbindlich, anonym und vertraulich. Angehörigen eröffnen diese Gespräche die Möglichkeit, offen und ehrlich über ihre Sorgen und Ängste in Bezug auf den Kranken zu sprechen. Hier erhalten sie Verständnis und können mit einer neutralen Person sprechen, die keinerlei Vorurteile hegt. Auch Selbsthilfegruppen sind eine Alternative um sich mit anderen über die Problematik auszutauschen. Viele Mitglieder in den Gruppen sind teilweise oder gänzlich geheilt und können den Betroffenen mit hilfreichen Tipps, Ratschlägen und eigenen Erfahrungen zur Seite stehen. So oder so ist der Weg zurück zu einem normalen Leben für Betroffene nicht einfach und mit vielen Rückschlägen verbunden. Ein Angehöriger hilft dem Kranken am meisten, indem er mit gutem Beispiel vorangeht und den Kranken, begleitend zu einer professionellen Therapie, alternative Lebensinhalte aufzeigt, die Spaß machen und den Kranken dazu veranlassen, sein Leben künftig anderen wertvollen und erfüllenden Dingen zu widmen.

 

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