Androgenen Haarausfall wirksam behandeln

Kampf den kahlen Stellen

Auch wenn sich im Internet viele vermeintliche Wundermittel und Wunderheiler tummeln: Gegen den androgenen Haarausfall gibt es nur wenig wirksame Medikamente. Die Stiftung Warentest hat die Mittel schon im Jahre 2003 getestet und die Ergebnisse versprechen keine Wunder. Einzig dauerhaft wirksam gegen eine Glatze ist eine Haartransplantation. Viele Anbieter von Haarwuchsmitteln spielen mit der Verzweiflung der Betroffenen, die bereit sind, viel Geld auszugeben für nutzlose Wundermittel, die viel versprechen, aber wenig halten. Studien gibt es keine zu diesen Mitteln, nur nette Vorher-Nachher-Bilder, stets am Computer bearbeitet.

© 858265 / pixabay.com

Androgener Haarausfall ist kein unabwendbares Schicksal, in das man(n) sich fügen muss. Die Alopezie lässt sich behandeln – beispielsweise mit Tabletten.

 

Den Haarausfall können die einzig wirksamen Medikamente auch nicht auf einen Schlag stoppen, sondern nur verzögern und das nur solange, wie die Medikamente eingenommen werden. Neue Haare kommen nicht zurück. Gesichert ist die Wirkung bei zwei Wirkstoffen: Finasterid und Minoxidil. Beide Wirkstoffe waren ursprünglich gegen andere Krankheiten gedacht und hatten als schönen Nebeneffekt einen positiven Einfluss auf den Haarwuchs. Die Haare fielen nicht mehr aus und wuchsen sogar etwas dicker nach. Als weiterer Wirkstoff wurde in den letzten Jahren Dustarid propagiert, der allerdings nicht zugelassen ist gegen Haarausfall. Die Wirkung von Dustarid soll zwar stärker sein als die von Finasterid, jedoch sollen auch die Nebenwirkungen wesentlich stärker sein und häufiger auftreten, etwa eine verminderte Libido oder Ejakulationsstörungen.

Minoxidil ist für Frauen und Männer gleichermaßen geeignet, Finasterid dürfen nur Männer einnehmen, da der Wirkstoff bei Frauen zu Missbildungen beim Nachwuchs führen kann. Schwangere dürfen die Tablette nicht einmal berühren, weil der Wirkstoff auch so in den Körper gelangen kann. Eine Behandlung mit Finasterid oder Minoxidil sollte so früh wie möglich begonnen werden.

 

Innerlich Finasterid gegen Haarausfall

Der Wirkstoff Finasterid verhindert, dass sich Testosteron in das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. Ein hoher DHT-Spiegel ist verantwortlich für den androgenen Haarausfall. Finasterid stoppt den Haarausfall nach etwa drei bis sechs Monaten und kann das Haar dicker nachwachsen lassen. Geheimratsecken wachsen jedoch nicht wieder zu. Täglich muss der Betroffene 1 Milligramm Finasterid einnehmen und das über Jahre hinweg. Wird das Medikament abgesetzt, fallen die Haare wieder aus. Vom 50. Lebensjahr an ist die Wirkung nicht mehr bestätigt. Laut Hersteller und Mediziner bringt es nichts, mehr als 1 Milligramm täglich einzunehmen. Die Wirkung verstärkt sich dadurch nicht. Nebenwirkungen von Finasterid können sein: Sexuelle Unlust, verminderte Spermienzahl sowie Hodenschmerzen. Über sexuelle Unlust klagen die wenigsten Patienten, Hodenschmerzen in den ersten Wochen können aber durchaus auftreten.

Ob sich Finasterid negativ auf die Fruchtbarkeit des Mannes auswirkt, konnte nicht bestätigt werden. Der Hersteller rät davon ab, Finasterid einzunehmen, wenn man Kinder zeugen möchte, da der Wirkstoff die Entwicklung des männlichen Fötus negativ beeinflussen kann. Es gibt jedoch Mediziner, die meinen, die Menge des eingenommenen Finasterids sei zu gering, als dass es gefährlich werden könne für den Fötus. Am besten spricht man mit dem Hautarzt seines Vertrauens. Der Arzt sollte auch den Fortschritt dokumentieren, um festzustellen, ob das Medikament wirkt. Wichtig ist auch, dass regelmäßig die Leberwerte überprüft werden (Blutentnahme).

Medikamente mit dem Wirkstoff Finasterid müssen selbst bezahlt werden, sind aber nur auf Rezept erhältlich. Es gibt direkt Medikamente, die 1 Milligramm Finasterid enthalten. Günstiger sind Medikamente mit 5 Milligramm Finasterid, die normal für Patienten mit einer vergrößerten Prostata gedacht sind. Mit einem Tablettenteiler aus der Apotheke können die Tabletten geteilt werden, sodass man vier Teile hat, die Packung also viermal solange reicht (120 Tage). Mittlerweile gibt es günstige Produkte, sodass man für eine Monatspackung heruntergerechnet nicht einmal 10 Euro bezahlt.

 

Äußerlich Minoxidil gegen Haarausfall

Äußerlich hilft vorerst nur Minoxidil gegen Haarausfall. Kopfhauttinkturen mit weiblichen Hormonen (Östrogenen) wirken nicht bei Männern und können im schlimmsten Fall den Hormonhaushalt des Mannes stören. Der Wirkstoff Minoxidil wird äußerlich zweimal am Tag in die Kopfhaut oder vielmehr an den betroffenen Stellen einmassiert. Sowohl Männer als auch Frauen können es anwenden. Männer nehmen 5 %, Frauen 2 % Minoxidil, entweder als Öl oder als Schaum. Je eher mit der Anwendung begonnen wird, desto besser ist die Chance, den Haarausfall zu stoppen. Auch Minoxidil muss ein Leben lang genommen werden, mit etwa 50 Jahren lässt die Wirkung nach oder ist vielmehr nicht mehr belegt. Wird das Medikament abgesetzt, fallen die Haare langsam wieder aus.

Der Nachteil von Minoxidil ist, dass es umständlicher ist als eine Tablette mit Finasterid. Die Haare wirken leicht fettig, mit der Pipette erreicht man nicht unbedingt jede Stelle. Der Schaum lässt sich durchaus besser verteilen. In den ersten Wochen können die Haare zunächst ausfallen (sogenanntes Shedding), sie wachsen dann aber etwas kräftiger wieder nach. Dass es zum Shedding kommt, ist möglich, jedoch tritt es nicht bei jedem ein. Minoxidil wirkt sich allerdings nicht negativ aus auf den Hormonhaushalt, anders als Finasterid. Die Anwendung ist nahezu unbedenklich. Eine Drei-Monatspackung Minoxidil ist rezeptfrei mittlerweile für gut 20 Euro erhältlich.

Einige Experten raten, Finasterid und Minoxidil kombiniert anzuwenden, um den Haarausfall noch besser bekämpfen zu können. Während Finasterid den Haarausfall stoppt, soll Minoxidil neue Haare wachsen lassen. Tatsächlich wirkt Minoxidil jedoch nicht in den Geheimratsecken. Je eher beide Medikamente genommen werden, desto eher lässt sich der Haarausfall (vorerst) stoppen. Da ausgefallene Haare nicht wieder nachwachsen, sollte schon beim ersten Zeichen von Haarausfall mit einer Therapie begonnen werden, um zumindest den derzeitigen Zustand zu halten. Ein Hautarzt kann auch hier den Fortschritt dokumentieren.

 

Mit Haarausfall leben

Oft gucken die Betroffenen neidisch zu den Männern mit langen, vollen Haaren, die sich die tollsten Frisuren machen können. Man fragt sich: Wieso die und nicht ich? Das Problem Haarausfall gab es schon bei den alten Griechen. Versucht wurde in den letzten tausend Jahren alles – vom Kuhmist bis zum Igelblut. Geholfen hat nichts.

Nicht das wirksamste Mittel gegen den androgenen Haarausfall, aber vielleicht das beste – und das günstigste: sich mit dem Haarausfall abfinden. So einfach es klingt, so einfach ist es auch manchmal. Denn ändern kann man es nicht. Wer einmal seine Haare verloren hat, bekommt die volle Haarpracht nicht mehr zurück. Der Haarausfall kann mit Medikamenten zwar verlangsamt werden, aber neue Haare (oder vielmehr die alte Haarpracht) kehren nicht zurück. Einzig eine Haartransplantation hilft, doch nicht jeder kann sich diesen Eingriff leisten. Nicht umsonst kann man sagen: Solange Monarchen, Millionäre und Mediziner Haarausfall bekommen, gibt es kein wirksames Mittel dagegen.

 

Disclaimer
Die Beiträge von gesundheit-information.de enthalten lediglich Hinweise. Nutzen Sie die Beiträge und Informationen nicht zur Selbstbehandlung. Sie ersetzen keineswegs einen Arztbesuch. Ihre speziellen Fragen können wir leider nicht beantworten.