Auch Apotheker haften bei Medikamentenausgabe

Beweislastumkehr: Angleichung der Rechtsprechung für Ärzte und Apotheker

Bei der Medikation eines Patienten passieren gravierende Fehler. In Folge dessen leidet der Patient unter den schweren Folgen. In einem Rechtsstaat wie Deutschland stellt sich natürlich die Frage: Wer ist verantwortlich? Das Oberlandesgericht hat diesbezüglich jetzt ein neues Urteil gesprochen.

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Auch wenn in mancher Apotheke die Zeit stehen geblieben zu scheint, Apotheker müssen stets auf den aktuellsten Wissensstands zurückgreifen. Regelmäßige Fortbildungen und Kenntnisauffrischungen gehören daher zum Pflichtprogramm.

 

Wer haftet, wenn ein falsches Rezept ausgestellt wird? Diese Frage war bislang ungeklärt. Das Oberlandesgericht Köln hat diesbezüglich nun ein neues Urteil gesprochen. Wenn ein Apotheker ein vom Arzt falsch ausgestelltes Rezept ausgibt und der Patient im Anschluss unter den Folgen der falschen Medikation leidet, so muss nun auch der Apotheker nachweisen, dass er keinen Fehler gemacht hat. Diese Beweispflicht galt bislang nur für Ärzte.

 

Prozess geht weiter

Auslöser für diese Entscheidung war ein Fall aus dem Jahre 2006. Ein Säugling litt unter Down-Syndrom und stand kurz vor einer Herz-Operation. Der Arzt verschrieb ein herzstärkendes Medikament aus Versehen in achtfach erhöhter Dosis. Auch der Apotheker erkannte den Irrtum nicht und gab das Medikament aus.

Nur wenige Tage später erlitt das Baby einen Herzstillstand und musste fast eine Stunde lang reanimiert werden. Es erlitt dabei irreparable Gehirnschäden. Auch die Funktionen des Darms wurden stark geschädigt. Dazu trat eine starke Entwicklungsstörung auf. Daraufhin forderten die Eltern sowohl vom Arzt als auch vom Apotheker Schadensersatz.

 

Schwerer Fehler des Apothekers

Bereits das Landgericht Köln hatte den Klägern in erster Instanz weitestgehend zugestimmt. Das Oberlandesgericht bestätigte nun dieses Urteil. Allerdings bleibt die Höhe des Schmerzensgeldes weiterhin offen. Auch hat der Zivilsenat mit Blick auf die grundsätzliche Bedeutung des Urteils eine Revision beim Bundesgericht zugelassen. Der Prozess könnte also noch weiter gehen.

Das Oberlandesgericht begründetet seinen Urteilsspruch mit der besonderen Sorgfaltspflicht des Apothekers, bei der Ausgabe solch starker Medikamente. Die viel zu Hohe Dosis hätte ihm auffallen müssen. Durch das Alter des Babys hätte ihm klar werden müssen, dass die Medikation falsch sei.

 

Rechtsprechung für Ärzte und Apotheker angeglichen

Für Ärzte galt bislang: Bei einem leichten Behandlungsfehler ist der Patient in der Nachweispflicht, bei einem schweren Fehler der Arzt. Im Prozess hat das Oberlandesgericht diese Rechtsprechung nun auch auf den Apotheker angewandt. Beide, Arzt und Apotheker, hätten beweisen müssen, dass die Entwicklungsstörung nicht auf ihre falsche Medikation, sondern auf das Down-Syndrom zurück zu führen ist. Dies sei ihnen nicht gelungen.

 

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