Die Hausapotheke im Blumenbeet

Alte Heilkräuter neu entdeckt

Wir leben in einer modernen Gesellschaft, in der alles schnell ist – die Autos, die Menschen, das Leben. Auch die Forschung rast voran und beglückt uns mit immer neuen Technologien und Erfindungen. Das gilt natürlich auch für die Medizin. Wir können heute viele Leiden lindern und etliche Gebrechen heilen. Zu Recht fragt man sich da: Was kann uns eine Nonne aus dem Mittelalter überhaupt noch beibringen?

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Die Ringelblume (Calendula) ist eine alte Heilpflanze, die in keiner Hausapotheke fehlen sollte. Noch mehr dieser „Gartenschätze“ wachsen im Kräuter- und Blumenbeet.

 

Die Antwort auf die Eingangsfrage lautet schlicht und ergreifend: Viel! Das glauben jedenfalls immer mehr Menschen und vertrauen auf die Hausapotheke im Blumenbeet. Denn die Nonne, um die es hier geht, ist die Äbtissin Hildegard von Bingen, die von 1098 bis 1179 lebte und wirkte. Schon ihr für das Mittelalter ungewöhnlich hohes Alter zeugt davon, dass sie mit ihren Ideen und Beobachtungen nicht ganz Unrecht gehabt haben kann. Die Benediktinerin ist nämlich vor allem für ihre medizinischen Abhandlungen bekannt, die sie um das Jahr 1150 niederschrieb.

 

Was ist die „Hildegard-Medizin“?

Vielen Menschen sind sie als „Hildegard-Medizin“ bekannt. Der Begriff wurde allerdings erst im 20. Jahrhundert eingeführt – um das Marketing anzukurbeln. Dabei hatte die schlaue Nonne eigentlich eine ganz andere Botschaft: Geht nicht in die ferne Apotheke, sondern schaut in euren eigenen Garten! Dort stehen nämlich auch viele nützliche und hilfreiche Pflanzen.

Allgemein lehrt Hildegard von Bingen einen gesunden Lebensstil, mit viel gesunder Ernährung. Das trifft ganz den aktuellen Zeitgeist! Sie rät vor allem zu viel Dinkel. Außerdem beschwört sie die Kräuterheilkunde und beschreibt die heilende Wirkung von vielen Pflanzen. Manche sollen sogar mit den Mondphasen zusammen hängen. Auch rät sie zu Ausleitungsverfahren wie Aderlass oder Schwitzbädern. Ferner sei ein geregelter Wechsel von Ruhe und Aktivität wichtig für die Gesundheit des Menschen.

 

Die wichtigsten Pflanzen

Eine zentrale Rolle in ihrem Werk spielt die Poleiminze. Sie braucht keinen besonders guten Boden, kann also in den meisten deutschen Gärten wachsen. Ihr schreibt Hildegard eine positive Wirkung auf Verdauung und Durchblutung zu. Ähnlich anspruchslos an den Boden ist auch die Quitte, die allerdings kaum noch über 600 Metern Höhe wächst. Sie muss kaum gewässert oder geschnitten werden, soll aber gekocht äußerst bekömmlich sein, schrieb die Nonne.

Gegen Sodbrennen, Blähungen und Verstopfungen hilft laut Äbtissin Hildegard von Bingen am besten der Fenchel. Der braucht etwa neun Monate, bis er erste Knollen trägt. Ideal für den Fenchel ist ein lehmiger Untergrund. Er braucht nur wenig Wasser und ist auch sonst recht genügsam.

Die Heidelbeere wächst nicht nur in Gärten sondern auch in vielen deutschen Wäldern. Wer beim Spazieren im Sommer also Glück hat, kann auf einen Strauch mit den dunkelblauen Früchten stoßen. Ihr Verzehr soll nicht nur gegen Durchfall helfen, sondern auch bei Mund- und Rachenentzündungen.

 

 

Auch Veilchen und Brennnessel sollten in der Hausapotheke „Garten“ nicht fehlen

Die Brennnessel kann ebenfalls deutlich mehr, als nur für Verbrennungen zu sorgen. Ihr Nesselgift ist gut fürs Blut. Es reinigt den roten Lebenssaft und fördert die Bildung frischen Blutes. Auch gegen Rheuma und Gicht soll die als „Unkraut“ verschriene Pflanze helfen.

Das Veilchen wird von der Nonne Hildegard ebenso empfohlen. Nicht weil es so schön anzuschauen ist, sondern weil es gegen Entzündungen wirken soll. Auch bei Grippe, Fieber und Schlafstörung vertraut die mittelalterliche Heilkundlerin auf das Veilchen.

Natürlich gibt es noch viele weitere Tipps und Tricks, die in den vielen Schriften der Hildegard von Bingen zu finden sind. Man kann sie in Sekundärliteratur nachlesen oder in einem der vielen Klostergärten bewundern, die nach ihren Ideen angepflanzt wurden. Die bekanntesten von ihnen sind der Kräutergarten des Benediktinererkloster auf der Insel Reichenau (seit 2000 UNESCO-Weltkulturerbe) und der „Hildegarten“ in Bingen.

 

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