Ernährung: Wenn Vegetarier unfreiwillig Schwein konsumieren

Mangelnde Deklaration von Inhaltsstoffen bei Lebensmitteln

Nicht nur Vegetarier, auch Juden und Muslime meiden in Ihrer Ernährung Schweinefleisch. Während Erstere prinzipiell auf jede Sorte Fleisch und häufig auch auf Fisch verzichten, beschränkt sich das Nahrungstabu für Letztere auf Schweine-, Pferde-, Hasen- und im Falle der Muslime zusätzlich noch auf Eselfleisch. Viele Produkte im Lebensmittelhandel enthalten jedoch tierische Produkte ohne Kennzeichnungspflicht – was laut Aussage von Verbraucherschützern unter anderem gegen die gesetzlich verankerte Religionsfreiheit verstoße.

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Kleine Ferkel sind niedlich – keine Frage. Das Schicksal der meisten Schweine ist alles andere als rosig. Sie sollen als Schnitzel auf dem Teller landen. Viele Vegetarier und Veganer verzichten auch aus Gründen des Tierwohls auf tierische Produkte. Eine Mangelnde Kennzeichnungspflicht von Hilfs- und Trägerstoffen in der Lebensmittelproduktion erlaubt Herstellern ein Schlupfloch: So dürfen Produkte offiziell als vegetarisch beworben werden, obwohl tierische Inhaltsstoffe bei der Produktion zum Einsatz kamen.

 

Fleisch, Haut oder Knochen – tierische Bestandteile in Lebensmitteln

Verbraucherorganisationen wie „Foodwatch“ oder der „Vegetarierbund (Vebu)“ kritisieren seit Längerem eine Gesetzeslücke in Deutschland: Tierische Bestandteile in Form von Trägerstoffen müssen nicht gekennzeichnet werden. Auf diese Weise kommt es beispielsweise dazu, dass Vegetarier unfreiwillig Schwein konsumieren: Als Gelatine in Fruchtsäften, Aroma in Chips oder Speck in der Tütensuppe. Die Zutatenliste führt meist nur auf, was im Enderzeugnis verbleibt, Hilfsmittel und Trägerstoffe müssen nicht benannt werden. Fruchtsäfte, Weine oder Limonaden werden jedoch häufig mit Gelatine geklärt, sie kommen also nicht ohne totes Tier aus. Im Moment dürfen Hersteller solche Produkte aber sogar als „vegetarisch“ bewerben.

 

 

Kennzeichnungspflichtige Bestandteile sind wiederum oftmals nur versteckt zu finden, unter Angaben wie „E 441“ für Gelatine und „E 920“ für Schweineborsten als Mehlbehandlungsmittel. Der Verbraucher verliert somit schnell den Überblick und hat keine Kontrolle darüber, den Kontakt mit Schweinefleisch zu vermeiden. Oliver Huizinga von Foodwatch sieht damit das gesetzlich verankerte Recht auf Religionsfreiheit verletzt, denn die unzureichende Kennzeichnung behindere ihre Ausübung.

 

Zukunftsaussicht für Vegetarier, Veganer und Religionsanhänger

Vegetarier, die nicht unfreiwillig Schwein konsumieren möchten, können sich immerhin am V-Siegel der europäischen Vegetarier-Union orientieren, das Aufschluss über tierische Träger- und Hilfsstoffe gibt und die E-Nummern übersetzt.

Einige Hersteller haben bereits auf die Forderungen der Verbraucher reagiert und setzen inzwischen pflanzliche Stoffe anstatt tierischer ein. Andere erklärten jedoch, dass beispielsweise auch Verunreinigungen nicht ausgeschlossen werden könnten und es deshalb keine rein veganen Produkte aus Ihrem Hause geben könne.