Gewitter-Mythen Teil I

Was ist Fiktion und was Realität?

Wenn eine Hitzewelle über Deutschland rollt, droht abends oft ein Gewitter. Vor dem Grollen und Blitzen am Himmel haben viele Menschen noch immer Respekt, denn so schön und faszinierend das Schauspiel hoch über uns auch sein mag, es birgt doch auch immer tödliche Gefahr. Schon unsere frühesten Vorfahren hatten Ehrfurcht vor dem Gewitter. Viele Völker sahen in ihm den Zorn der Götter. Über die Jahrtausende sind so viele Mythen entstanden, die sich mit der Realität vermischt haben. Hier trennt sich nun die Spreu vom Weizen: Was ist Fiktion und was ist Realität!

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Gewitter galten lange Zeit als Pforte zur Hölle. Auch wenn man nicht abergläubisch ist, ist es bei einem aufziehenden Gewitter prinzipiell eine gute Idee, sich rechtzeitig einen sicheren Unterstand zu suchen.

 

1) Wenn keine Wolke über mir ist, kann ich auch nicht vom Blitz getroffen werden!

Leider falsch! Denn Blitze können bis zu zwanzig Kilometer entfernt vom eigentlich Gewitter einschlagen. Also auch dort, wo es noch nicht oder nicht mehr regnet. Der Blitz kann also auch aus dem sprichwörtlichen „heiterem Himmel“ schießen. Bei besonders großen Gewittergebieten wurden sogar schon Blitze beobachtet, die etwa 100 Kilometer entfernt von der Unwetterfront einschlugen. Ab dem Zeitpunkt, an dem die typischen Gewitterwolken zu sehen sind, besteht also schon ein gewisses Risiko.

 

2) Wenn das Gewitter über mir ist, lege ich mich flach auf den Boden!

Nicht ganz richtig und nicht ganz falsch. Zwar schlägt der Blitz mit Vorliebe in hohen Gebäuden oder Bäumen ein. Daher ist es sinnvoll die Körperhöhe zu verkleinern. Sollte ein Blitz in der Nähe einschlagen, so würde er beim Flach-Auf-Den-Boden-Legen durch den ganzen Körper fließen. Empfohlen wird daher, sollte man von einem Gewitter unter freiem Himmel überrascht werden, den Kopf zwischen die Knie zu klemmen und in eine enge Hocke zu gehen.

 

3) „Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen“

Falsch! Alle Bäume sollten gemieden werden. Durch ihre Höhe ziehen sie Blitze an. Besonders gefährlich: Bäume auf freier Fläche. Dort hat der Blitz quasi keine andere Wahl und muss in den Baum einschlagen. Wer dann darunter steht, schwebt in Lebensgefahr.

 

4) Wenn ich im Auto sitze, bin ich auf jeden Fall sicher!

Stimmt, denn die Karosserie bildet einen so genannten Faradayschen Käfig. Der Strom wird, sollte das Auto getroffen werden, vom Fahrzeug in den Boden gelenkt. Wichtig ist aber: Hände weg vom Radio, Fenster schließen und Ellenbogen im Auto lassen. Nicht so toll sind Cabrios mit Kunststoffdächern. Aber auch sie bieten immer noch mehr Schutz, als draußen im Freien zu sitzen.

 

 

5) Der Blitz schlägt nie zwei Mal in der selben Stelle ein!

Absoluter Blödsinn. Eher das Gegenteil ist der Fall: der Blitz schlägt sehr gerne in hohe Gebäude oder Windräder ein. Daher werden Hochhäuser auch mehrmals im Jahr von Blitzen getroffen.

 

6) Metallische Gegenstände ziehen Blitze an

Ebenfalls Unsinn. Der Blitz wird vor allem von spitzen, hohen Gegenständen angezogen. Metallische Gegenstände die der Mensch bei sich trägt, wie etwa Brillengestänge oder Schmuck sind ihm herzlich egal.

 

7) Früher hat es weniger geblitzt

Weiß man noch nicht so genau. Siemens betreibt den Blitzinformationsdienst. Dieser zählt die elektromagnetischen Signale der Blitze und erstellt daraus eine Karte, auf der die Blitze lokalisiert werden. Im vergangenen Jahr gab es etwa 2,1 Millionen Blitze über Deutschland – also etwa 5.000 pro Tag. Die Anzahl hat im Vergleich zu den vergangenen Jahren zwar etwas zu genommen, liegt aber noch im statistischen Normbereich. Erst wenn Daten über einen längeren Zeitraum vorhanden sind, können daraus Schlüsse gezogen werden.

 

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