Grippe in der Schwangerschaft: Starke Immunreaktion nachgewiesen

Keine Immunschwäche sondern eine hyperentzündliche Reaktion

Bislang vermuteten Ärzte und Forscher, dass das Immunsystem von schwangeren Frauen herunterreguliert ist und dass deswegen eine Grippe heftiger verläuft, wenn es zur Infektion kommt. Eine US-Studie hat nun das Gegenteil bewiesen: Infiziert sich eine Schwangere mit Grippe, reagiert das Immunsystem mehr als heftig.

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Schwangere mit Grippe neigen dazu, eine Lungenentzündung zu entwickeln. Dies ist nicht die Folge eines geschwächten Immunsystems, sondern einer Überreaktion.

 

Die Ergebnisse einer jetzt in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichten Studie überraschen die Forscher. Demnach reagieren schwangere Frauen auf eine Infektion mit Grippeviren sehr heftig. Das Immunsystem reagiert über. Damit tut es genau das Gegenteil von dem, was die Mediziner bislang vermuteten. Sie gingen davon aus, das Immunsystem ist während der Schwangerschaft herunterreguliert, damit das Immunsystem der Mutter das eigene Kind nicht als Fremdkörper attackiert.

 

Grippeviren lösen bei Schwangeren Entzündungsprozesse aus

Um diese Vermutung zu bestätigen, machten sich Forscher der Stanford University an die Arbeit. Sie entnahmen 21 schwangeren Frauen sowie 29 nicht Schwangeren mehrmals Blut zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die erste Blutentnahme erfolgte unmittelbar vor der Impfung mit inaktiven Grippeviren. Die zweite Blutentnahme wurde sieben Tage später gemacht. Das letzte Mal Blut entnommen wurde sechs Wochen nach der Geburt des Kindes. Aus dem Blut isolierten die Forscher die Immunzellen. Die Immunzellen wurden im Labor den Erregern des Influenza-Stammes H1N1 ausgesetzt. Dieser hat weltweit einige „Berühmtheit“ unter dem Namen Schweinegrippe erlangt.

Bei den Schwangeren zeigten zwei Gruppen weißer Blutkörperchen eine wesentlich heftigere Reaktion auf die Grippeinfektion als bei nicht-schwangeren Frauen. Die natürlichen Killerzellen und T-Zellen steigerten die Produktion von Zytokinen und Chemokinen. Dabei handelt es sich um Signalstoffe, die Entzündungsreaktionen verschärfen. Schnellt der Chemokin-Wert in die Höhe, so werden zu dieser Stelle zu viele Immunzellen gelockt. Befindet sich die entzündete Stelle dann beispielsweise in der Lunge, ist dies nicht gut. Denn in der Lunge benötigt man Raum für die Luft und kein Gedränge an Immunzellen. Diese Reaktion könnte jedoch eine Erklärung sein, warum Schwangere, wenn sie sich mit dem Grippevirus anstecken, verstärkt eine Lungenentzündung entwickeln. Manchmal hat eine solche Lungenentzündung dann tödliche Folgen.

 

 

Neue Therapieansätze für Schwangere mit Grippesymptomen notwendig

Das Ergebnis überrascht die Forscher, denn sie müssen festhalten, dass eine schwere Grippe in der Schwangerschaft eben nicht die Folge einer Immunschwäche ist, sondern eine hyperentzündliche Reaktion. Die bisherige Therapie bei Schwangeren versuchte, die Vermehrung des Virus zu hemmen. Doch das ist nicht das eigentliche Problem. Zukünftige Therapien müssen sich verstärkt um die Regulation der Immunantwort kümmern und die Produktion von zu viel Zytokinen und Chemokinen verhindern.

Doch auch in Zukunft wird für Schwangere der beste Schutz vor einer Grippeinfektion die Grippeimpfung sein. Inwieweit das Immunsystem der Schwangeren auch auf andere Viren mit einer Überreaktion antwortet, müssen weitere Studien ergründen.

 

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