Guerilla Gardening: Was ist das?

Die friedliche Stadtrevolution

In den Medien und im Großstadtgeflüster hört man in letzter Zeit immer öfter den Begriff „Guerilla Gardening“. Doch was verbirgt sich dahinter? Wer sind die Garden Guerilleros und was treibt sie an? Ist Guerilla Gardening eine politische Bewegung? Oder greifen viel mehr Privatpersonen zum Spaten, um die Stadt vor ihrer Haustür ein klein wenig mit Hilfe von Pflanzen und Samen zu verschönern?

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Guerilla Gardening: Mit Seedballs, Spaten und Gießkannen wird gegen das städtische Einheitsgrau gekämpft. Und selbst ein Fahrrad funktionieren die Guerilla-Gärtner notfalls ab. Sie bepflanzen es und stellen es irgendwo ab – zur Freude anderer.

 

Guerilla Gardening: Friedlich aber rein rechtlich nicht immer legal

Erstmals taucht der Begriff Guerilla Gardening auf, als Medien über eine politische Aktion in London aufmerksam machten. Damals entfernten Umweltaktivisten auf einem zentralen Platz ein Stück „heiligen Rasens“ und pflanzen dort Apfelbäume, Stangenbohnen und Cannabispflanzen. Einige lokale Politiker sahen in der Protestaktion den Untergang des Abendlandes.

Nach der Aktion blieb jedoch nicht die erhoffte, nutzbare und gepflegte Grünfläche zurück. Das Ergebnis war alles andere als Grün. Es war lediglich eine Matschfläche. Die namensgebende Aktion hat daher kaum etwas mit dem Guerilla Gardening zu tun, das sich bis heute entwickelte.

Beim heutigen Guerilla Gardening werden verwahrloste, brachliegende, öffentliche Flächen „adoptiert“. Die Garden Guerilleros verwandeln die unansehnlichen Orte in blühende Landschaften, indem sie Blumen anpflanzen und Gemüsegärten anlegen. Sie sollen für alle Bewohner der Stadt nutzbar sein.
Der friedlich ablaufende Prozess der Aneignung und Gestaltung öffentlicher Flächen ist in Deutschland jedoch juristisch nicht legal. Er kann als Besitzzerstörung und Sachbeschädigung gewertet werden. Die privaten Pflanzaktionen finden damit auf illegalem Terrain statt. Die Rechtsprechung lässt das Argument der guten Absichten und der Verschönerung der Städte nicht gelten. Doch davon lassen sich viele Anhänger der Bewegung nicht abschrecken.

 

Mit den grünen Waffen der Garden Guerilleros

Die Großstadtgärtner ziehen in den Kampf – bewaffnet mit Spaten, Gießkannen, Blumenzwiebeln und Pflanzensamen. Die „Kriegsausrüstung“ bekommt man problemlos in jedem Baumarkt. Die Guerilleros sind kreativ. Sie haben Seedbombs oder Moos-Grafitti hervorgebracht. Für beides gibt es mittlerweile eigene Online-Shops, wo man die Zutaten für die urbanen Umgestaltungsprozesse kaufen kann.

Der Name Seedbomb lässt sich am besten mit Samenbombe übersetzen. Es handelt sich um kleine Kugeln aus Kompost, Erde und Blumensamen. Sie werden beim Guerilla Gardening auf eine geeignete Brachfläche geworfen. Sobald etwas Regen fällt, beginnt der Samen in der Seedbomb zu treiben. Dank der Erde um ihn herum, ist er zunächst bestens versorgt und kann anwachsen. Schon viele Sonnenblumen haben auf diese Weise hässliche Baustellen verschönert.
Für das Moos-Graffiti wird eine Paste aus Moos, Nährlösung und Erde hergestellt. Mit Wasser verdünnt, trägt der grüne Graffiti-Künstler den Schriftzug oder das Bild auf eine Mauer oder eine Wand auf. In kürzester Zeit grünt das Moos dann entsprechend und ein grünes Kunstwerk ist entstanden.

 

 

Guerilla Gardening: Umgestaltungsprozesse im großen oder kleinen Rahmen

Guerilla Gardening im Kleinen fängt bei unabhängigen Aktionen an. Beispielsweise werden Samen in Baumscheiben gestreut oder verwahrloste Blumenkübel in einer Nacht- und Nebelaktion aufgehübscht. Doch mittlerweile gibt es in Deutschland auch größere und organisiertere Formen. In vielen Städten werden die Garden Guerilleros von den Behörden geduldet, denn meist wird der vorherige Zustand erheblich verbessert und eine Gefährdung oder Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit kommt so gut wie nie vor.
Ein Beispiel für aktives Guerilla Gardening mit nahtlosem Übergang zum Urban Gardening ist der Garten Rosa Rose in Berlin Friedrichshain. Er entstand durch rein bürgerschaftliches Engagement auf einer brachliegenden Fläche in der Berliner Innenstadt. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich die Blumen- und Pflanzenoase zu einem Treffpunkt im Kiez und war eine Bereicherung für das sonst eher unbegrünte Quartier.

Doch auch dieses Musterbeispiel für die städtische Entwicklung wurde letztlich von den juristischen Problemen des Guerilla Gardenings eingeholt. Der von den Bürgern geliebte Garten sollte von der Polizei aufgrund der fehlenden rechtlichen Grundlage geräumt werden. Die Folge war: Der Garten musste mit Sack und Pack auf eine andere Fläche umziehen.

Doch von solchen Rückschlägen lassen sich Guerilla Gärtner aus Überzeugung nicht wirklich abschrecken. Sie sind leidenschaftliche Wiederholungstäter, denn sie möchten selbst aktiv werden und die Begrünung der Quartiere und Innenstädte mitgestalten. Dazu organisieren sie kleine und große Aktionen, um zu verhindern, dass öffentliche Freiflächen verwahrlosen. Jeder Garden Guerillero erfreut sich, wenn das innerstädtische Grün an jenen Stellen sprießt, die vorher grau und trostlos waren.