Harninkontinenz - eine Übersicht gegen die Tabuisierung - Teil 1

Was ist Inkontinenz?

Inkontinenz ist in Deutschland noch immer ein Tabuthema. Das ist wesentlich auch der Tatsache geschuldet, dass unsere Gesellschaft sehr großen, teilweise auch übersteigerten Wert auf Hygiene legt. Wer nicht immer Herr über seine Blase ist, wird schnell ins gesellschaftliche Abseits gedrängt und gerät in einen Teufelskreis. Diese Übersicht in drei Teilen soll bei der Enttabuisierung helfen. => Teil 1: Was ist Inkontinenz?

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Wegweiser zur Toilette. Die Frage „Wo ist der nächste Toilette“ treibt alle Inkontinenz-Patienten um. Spontane Ausflüge sind kaum noch zu machen.

 

Verein will Thema enttabuisieren

Im Jahr 2003 gründete sich eine Selbsthilfegruppe, die drei Jahre später der Verein „Inkontinenz Selbsthilfe e.V.“ ins Leben rief. Neben dem Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen, deren Angehörigen und Experten soll auch die Enttabuisierung voran getrieben.

Wie bei vielen Krankheiten ist natürlich vor allem der Besuch eines Arztes ratsam. Scham, Angst und Verdrängung spielen bei den Erkrankten jedoch eine immens große Rolle, sodass der Besuch oft auf- und vor sich her geschoben wird. Dabei verstreicht wertvolle Zeit für die Behandlung. Inkontinenz ist nämlich oft nur ein Zeichen des Körpers, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Inkontinenz ist keinesfalls ein Versagen der betroffenen Person. Die Inkontinenz kann so viele verschiedene Ursachen haben, dass sie gar nicht alle im Internet stehen können. Außerdem kann Inkontinenz auch nur eine Folgeerkrankung sein und so ein Hinweis auf ein anderes, körperliches Problem liefern.

 

 

Die verschiedenen Formen der Inkontinenz

Es gibt verschiedene Arten der Harninkontinenz. Bei der so genannten Dranginkontinenz liegt ein Defekt der Nerven vor, welche die Blasen-Muskulatur steuern. Häufig tritt diese Form der Inkontinenz nach oder zusammen mit anderen Krankheiten auf – etwa bei Alzheimer oder Multipler Sklerose, aber auch nach einem Schlaganfall.

Die Belastungsinkontinenz, oder auch Stressinkontinenz genannt, ist auf einen erhöhten Bauchinnendruck zurückzuführen. Bei bestimmten Bewegungen – wie etwa Anheben, aber auch Husten oder Niesen – entweicht der Blase Urin. Während bei Frauen diese Form der Inkontinenz nach Spontangeburten auftritt, entsteht sie beim Mann meist nach Operationen oder Unfällen. Bei dieser Form der Inkontinenz wird nicht selten eine Operation als Therapie angesetzt.

Bei einer ständig übervollen Blase, auf Grund eines gestörten Harnabflusses, spricht man von einer Überlaufinkontinenz. Innerhalb der Blase ist der Druck leicht höher als auf dem Schließmuskel, sodass konstant kleine Mengen Urin auslaufen.

Weitere Arten der Inkontinenz sind auf gestörte Datenbahnen zwischen Gehirn und dem Blasenbereich zurückzuführen.

Ein Grund für eine Inkontinenz kann aber auch „einfach nur“ in der Schwächung der Muskulatur im Bereich des Beckenbodens liegen. Dann fällt die Therapie meist konservativ aus. Beckenbodentraining, Elektrostimulation oder Gewichte helfen den Betroffenen, ihre Probleme besser in den Griff zu bekommen.

 

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