Harninkontinenz - eine Übersicht gegen die Tabuisierung - Teil 2

Behandlung & Therapie bei Kontinenzproblemen

Inkontinenz ist in Deutschland noch immer ein Tabuthema. Das ist wesentlich auch der Tatsache geschuldet, dass unsere Gesellschaft sehr großen, teilweise auch übersteigerten Wert auf Hygiene legt. Wer nicht immer Herr über seine Blase ist, wird schnell ins gesellschaftliche Abseits gedrängt und gerät in einen Teufelskreis. Diese Übersicht in drei Teilen soll bei der Enttabuisierung helfen. => Teil 2: Therapie & Behandlung

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Ein stilles Örtchen im Grünen ist nicht immer erreichbar, wenn Inkontinenz-Patienten plötzlich müssen. Ein „Malheur“ ist schnell passiert. Die Gesellschaft muss das Thema offen ansprechen, um Ängste und Scham zu nehmen.

 

Vielseitige Behandlungsmethoden bei Inkontinenz

Neben der konservativen Therapie kann den Patienten oft auch mit Medikamenten geholfen werden. Duloxetin beispielsweise gilt als sehr wirksam gegen die sogenannte Stressinkontinenz. Dabei wurde das Mittel eigentlich als Antidepressivum entwickelt. Duloxetin wirkt aber auch auf den Schließmuskel der Harnröhre. Dieser kann sich dadurch stärker zusammenziehen und somit mehr Urin in der Blase halten. Bei einer hyperaktiven Blase gelten Anticholinergika, auch Spasmolytika genannt, als probates Mittel. Sie wirken gegen eine ungewollte Kontraktion der Blasenmuskulatur, die eine Blasenentleerung zur Folge hat.

Auch eine Blasenentzündung kann eine Inkontinenz hervorrufen. Hier setzt die klassische Behandlung mit Anitbiotika an. Die Naturapotheke bietet diverse Pflanzen, denen eine heilende Wirkung nachgesagt wird: wie etwa Baldrian, Johanniskraut oder Weißdorn. Sie werden in erster Linie nicht eingesetzt, um die Inkontinenz zu heilen, sondern ihre Ursache zu bekämpfen. Diese könnte unter anderem in Stress, einer besonderen Nervosität oder andere psychischen Belastungen liegen.

 

Nicht nur auf Medizin verlassen!

Die Medizin muss und sollte auf jeden Fall nur nach Absprache mit einem Arzt eingenommen werden. Bei allen Behandlungen ist es wichtig, dass neben dem Symptom Blasenschwäche auch dessen Ursache therapiert wird. Diese ist in den meisten fällen sehr individuell, sodass ein Arzt über die richtige Begleittherapie entscheiden muss. Hier könnten zum Beispiel gezieltes Toilettentraining oder Beckenbodentraining zum Einsatz kommen, damit die Patienten nach der medikamentösen Behandlung auch in Zukunft kontinent sind.

Oft gibt es Übergangsphasen in denen kleine Hilfen das Leben der Betroffenen erleichtern. Etwa spezielle Slips oder Windeln, die den Betroffenen ermöglichen sollen, wie gewohnt aktiv am Leben teilnehmen zu können. Die soziale Isolation soll so verhindert werden.

 

 

Operationen als letzter Schritt

Als letzte Möglichkeit bietet die moderne Medizin mit verschiedenen Operationen Hilfe für Menschen, die unter Inkontinenz leiden. Vor allem bei Belastungsinkontinenz gibt es vielseitige Operationsverfahren. Am bekanntesten ist sicher der künstliche Schließmuskel. Dabei wird eine kleine Pumpe unter die Haut des Patienten gepflanzt, die an ein Ballonsystem angeschlossen ist, dass sich um die Harnröhre legt und sie verschließt. Mit Druck auf die Pumpe kann der Patient dann selbst den Harnabfluss steuern. Diese Operation kann bei fast allen Harninkontinenzen angewendet werden. Da allerdings ein Fremdkörper unter die Haut eingepflanzt wird, kann es zu einer Infektion und in Folge dessen zu einer Explantation kommen. Der künstliche Schließmuskel wird bereits seit über 25 Jahren bei Patienten eingesetzt. Er hält etwa sieben Jahre lang. Viele Patienten sind nach der Behandlung wieder kontinent.

 

Wir alle sind gefragt!

Am wichtigsten ist, dass sich Betroffene sich nicht in selbst zurück ziehen, sondern offen mit der Krankheit umgehen. Nur so kann der Teufelskreis der sozialen Isolation durchbrochen werden. So unangenehm das Problem auch für alle Beteiligten sein mag, es ist eine Krankheit wie viele andere, die am besten von einem Arzt behandelt wird. Auch die Gesellschaft ist bei diesem Thema gefordert. Es ist wichtig, dass die Betroffenen nicht mehr das Gefühl haben, in eine Ecke gedrängt zu werden und das auch nicht betroffene Mitbürger die Inkontinenz als Krankheit anerkennen. Schließlich kann jeder einmal in die Situation geraten, in der er über die Enttabuisierung des Themas glücklich ist.

 

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