Immer weniger Organspender in Deutschland

Organspenderausweiß sorgt für Klarheit

Bei vielen schweren Krankheiten ist es die letzte Hoffnung: Eine Organspende. Allein in Deutschland warten ca. 12.000 Patienten auf ein neues Organ, um wieder ein normales Leben führen zu können. Doch die Anzahl der Spender ist seit 2011 dramatisch gesunken – um ganze 23 Prozent. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hat vor etwa einer Woche eine neue Kampagne gestartet. Aber warum sind die Zahlen so niedrig?

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Treffen Sie Ihre Entscheidung in puncto Organspende. Legen Sie diesen Willen in einem Organspendeausweis fest und sorgen so für den Notfall vor. Außerdem bewahren Sie Ihre Angehörigen davor, eine schwere Entscheidung treffen zu müssen.

 

Ein Grund dafür ist, dass noch zu wenige Menschen einen Spenderausweis besitzen. Darin wird festgehalten, was mit dem eigenen Körper nach dem Tod passieren soll. Dürfen Organe entnommen werden? Und wenn ja: Welche und welche nicht? So wissen die Ärzte im Notfall sofort Bescheid. Das Problem ist, dass viele nicht ausreichend über Organspende informiert sind.

 

Ein „zweiter Geburtstag“ für schwer kranke Menschen

Die Chancen, dass die eignen Organe nach dem Tod einem anderen Menschen eingepflanzt werden können, stehen sehr gering. Denn dazu muss der Hirntod vor dem Herztod eingetreten sein. Mit anderen Worten: Die Hirnfunktionen sind erloschen, doch der Körper wird künstlich am Leben erhalten. Erst dann dürfen Organe entnommen werden. Das ist allerdings nur bei ca. 1 Prozent der Verstorbenen der Fall.

Dann muss ein passender Empfänger gefunden werden. Am wichtigsten sind dabei die Blutgruppen: Stimmen diese nicht überein, wird das Organ mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Körper abgestoßen. Im Idealfall beendet das neue Organ für den Patienten eine lange und schmerzhafte Krankheit. Man spricht deshalb auch von einem „zweiten Geburtstag“ des Empfängers – dem Beginn eines neuen Lebens.
Wenn man keinen Spenderausweis besitzt, müssen die Angehörigen über eine eventuelle Organspende entscheiden.

Das ist in den meisten Fällen alles andere als leicht – vor allem, wenn man nicht weiß, was der Verstorbene sich gewünscht hätte. Eine schriftliche Erklärung macht es darum für alle Betroffenen einfacher und spart wertvolle Zeit. Der Ausweis ist kostenlos in jeder Arztpraxis erhältlich und lässt sich in nur einer Minute ausfüllen. Wichtig: Man sollte ihn möglichst immer bei sich tragen.

 

Vertrauen in die Organspende hat abgenommen

Ein anderer Grund für die wenigen Spender ist der Skandal um den Göttinger Arzt Aiman O. Dieser hatte systematisch Patientenakten gefälscht, um mehr Operationen durchführen zu können. Damit verstieß er gegen die Richtlinien und gefährdete Menschenleben. Er wurde wegen versuchtem Totschlag und Körperverletzung angeklagt und Ende letzten Jahres vorläufig freigesprochen. Als Reaktion auf den Skandal wurden in den Krankenhäusern mehr Kontrollen durchgeführt. Das Vertrauen in die Organspende hat insgesamt aber stark abgenommen. Trotzdem: An der Situation der Patienten hat sich nichts geändert. Sie sind nach wie vor auf Organspenden angewiesen. Vor allem Herz-, Leber- und Nierenerkrankungen verlaufen ohne eine Transplantation oft tödlich. Der Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt, dass Deutschland nicht gut da steht. Spanien beispielsweise hat mehr als 3-mal so viele Spender.

 

Persönliche Entscheidung treffen und Verantwortung übernehmen

Die neue Kampagne der BzgA soll deshalb für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Auf den Plakaten sind Schauspieler und andere Prominente zu sehen, die für den Organspendeausweis werben. Es gibt sogar ein Werbespot mit dem bekannten Comedian Ralf Schmitz. Das Motto ist: „Ich entscheide. Informiert und aus Verantwortung“. Jeder kann auf dem Ausweis seine ganz persönliche Wahl treffen – für oder gegen Organspende. So kann man selbst bestimmen, was mit dem eigenen Körper geschehen wird.

Eine Umfrage aus dem Jahr 2011 hat ergeben: Mehr als 60% der Menschen ohne Spenderausweis wären damit einverstanden, wenn ihnen nach dem Tod Organe entnommen würden. Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass der Organspendeausweis sinnvoll ist. Ohne ihn sind nämlich die Angehörigen mit der Entscheidung allein gelassen – und im Zweifelsfall geht es dabei um Leben und Tod. Schließlich kann man nie wissen, ob man nicht selbst einmal auf ein Spenderorgan angewiesen sein wird.

 

Von: Philipp Hartmann, online gestellt durch Johanna

 

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