Kohlenhydratreduzierte Diäten (Low-Carb-Diät)

Verzicht auf Kohlenhydrate lässt Pfunde purzeln

Bei einer kohlenhydratreduzierten Diät, auch Low-Carb-Diät, verzichten Sie auf Kohlenhydrate. Auf dem Speiseplan stehen vor allem eiweißhaltige Nahrungsmittel wie mageres Fleisch und Fisch. Diese Ernährungsumstellung soll die Fettverbrennung ankurbeln. Bekannt ist vor allem die Atkins-Diät.

© gate74 / pixabay.com

Bei allen Low-Carb-Diäten landet ein proteinreiches Steak eher auf dem Teller als kohlenhydreatreiche Nudeln. Der Verzicht auf Kohlenhydrate soll die Pfunde purzeln lassen. Das Protein aus Fleisch und Fisch verhindert Heißhunger-Attacken und sorgt für die notwendige Energie.

 

Die wichtigsten Low-Carb/Kohlenhydratreduzierte Diäten im Überblick:

 

 

Atkins-Diät

Benannt ist diese Diät nach dem US-Amerikaner Atkins, der seine Thesen in den 1970er Jahren aufgestellt hat. Atkins behauptete, man könne soviel essen wie man will, man müsse nur auf die Kohlenhydrate verzichten oder vielmehr ihre Zufuhr beschränken auf weniger als 10 %. Das bedeutet, Sie essen fett- und besonders eiweißhaltige Lebensmittel. Sie essen also kein Obst und Gemüse, sondern vor allem Fleisch, Käse und Eier. Vergleichbar ist die Atkins-Diät mit der Ernährung von Kraftsportlern (Bodybuilder) in der Definitionsphase. Laut Atkins sind Kohlenhydrate verantwortlich für den Blutzuckerabfall nach dem Essen, sodass man rasch wieder Hunger bekommt.

Die Low-Carb-Diät funktioniert dadurch, dass Sie tatsächlich weniger Hunger spüren und deshalb weniger essen. Doch funktioniert die Atkins-Diät letztlich nicht besser oder schlechter als andere Diäten. Anfangs gut, Sie nehmen tatsächlich ab. Doch nach etwa einem Jahr geben viele auf. Zum einem ist die Atkins-Diät zu einseitig, da Sie häufig eiweißhaltige Lebensmittel wie Fleisch essen müssen. Zudem sind die Lebensmittel teurer, da Käse, Fisch und Fleisch meist teurer sind als Gemüse. Die Atkins-Diät birgt auch Risiken, denn wegen des Verzichts auf Kohlenhydrate fehlen Ihnen frisches Obst und Gemüse als Nahrungsmittel und damit wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Gefährlich ist das vor allem für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, warnen Mediziner.

 

Lutz-Diät

Die Lutz-Diät, benannt nach dem Arzt Dr. Wolfgang Lutz, wurde in den 1950er Jahren entwickelt. Sie ist älter als die Atkins-Diät und funktioniert nach dem gleichen Prinzip, mit dem Unterschied, dass auf Kohlenhydrate nicht so streng verzichtet werden muss. Die Lutz-Diät wurde auch nicht zum Abnehmen entwickelt, sondern es ging Dr. Lutz vornehmlich um die Gesundheit. Laut seiner Auffassung sei der Mensch nicht an eine kohlenhydratreiche Ernährung angepasst, da unsere Vorfahren überwiegend Fleisch gegessen haben. Nach seiner Diät soll der Mensch nicht mehr als 72 g (6 BE) Kohlenhydrate am Tag zu sich nehmen. Die Lutz-Diät entspricht heute nicht mehr den wissenschaftlichen Ernährungsstandards.

 

Anabole Diät

Die Anabole-Diät verzichtet auf Anabolika genauso wie auf Kohlenhydrate. Damit ähnelt sie der Atkins-Diät. Die anabole Diät ist beliebt bei Bodybuildern, weil eiweißhaltige Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen, die die Muskelmasse erhalten und vergrößern. Gleichzeitig wird Fett verbrannt, obwohl täglich mehr Fett als Kohlenhydrate zugeführt wird. Kohlenhydrate sollen in den ersten zwei Wochen vermieden werden. Fett verbrannt wird dadurch, dass der Körper erst auf die Fettreserven zugreift, wenn der Kohlenhydratspeicher leer ist. Ihre Energie erhalten Sie aus dem Eiweiß, während das Fett Ihren Appetit zügeln soll. Zudem produzieren Fette Hormone. Fehlen die Fette, geht die Testosteronproduktion zurück.

Im Unterschied zur Low-Carb-Diät (Atkins-Diät) kennt die anabole Diät Refeed-Tage (1-2 in der Woche), an denen Sie vermehrt Kohlenhydrate zu sich nehmen sowie ausreichend Eiweiß. Fett wird an diesen Tagen nicht aufgenommen. Für Sie heißt das: fünf bis sechs Tage reichlich Proteine und Fett sowie wenig Kohlenhydrate, ein bis zwei Tage reichlich Kohlenhydrate, Eiweiß, aber kaum Fett. Durch diese Refeed-Tage gewinnen Sie neue Energie. Besonders nützlich ist das für Kraftsportler, die dadurch ihr Krafttraining verstärken können.

 

24-Stunden-Diät

Die 24-Stunden-Diät eignet sich, um in kurzer Zeit bis zu zwei Kilogramm abzunehmen. Am besten starten Sie mit dieser Diät vor dem Wochenende. Bei der 24-Stunden-Diät müssen Sie auf Kohlenhydrate verzichten und viel Eiweiß zu sich nehmen. Wichtiges Merkmal dieser Diät ist, dass Sie während der Diät reichlich Sport treiben müssen. Zuvor müssen Sie Ihren Kohlenhydratspeicher leeren.

Starten Sie Freitag mit Ihrer Diät und beginnen mit einer Ausdauereinheit am Abend. Zwei Stunden vor dieser Einheit sollten Sie nichts mehr essen. Am nächsten Morgen steht ein eiweißhaltiges Frühstück auf dem Speiseplan. Nach dem Frühstück folgt eine Laufeinheit. Die Mahlzeiten bestehen bei der 24-Stunden-Diät aus eiweißhaltigen, aber kohlenhydratreduzierten Speisen, also Hähnchen oder Rinderhack. Auch am kommenden Tag müssen Sie noch einmal auf Kohlenhydrate verzichten und Ihren Körper mit Ausdauersport fordern.

Die 24-Stunden-Diät kann helfen, wenn Sie schnell Kalorien loswerden möchten. Für übergewichtige Menschen eignet sich diese Diät aber nicht, da die Belastung für den Körper zu hoch wäre. Zudem eignet sich die Diät tatsächlich nur 24 Stunden, darüber hinaus schadet die 24-Stunden-Diät Ihnen mehr, besonders, wenn Sie sonst keinen Sport treiben.

 

3-D-Diät

Die 3-D-Diät verfolgt den gleichen Ansatz wie die anderen kohlenhydratreduzierten Diäten: viel Eiweiß und wenig Kohlenhydrate. Diese Diät wurde bekannt durch den Modeschöpfer Karl Lagerfeld, der sie von einem französischem Arzt verordnet bekommen hat. Die 3-D-Diät hat drei Stufen:

1. Stufe: Drei Wochen nur Proteine, Sie dürfen nicht mehr als 1.000 kcal am Tag aufnehmen
2. Stufe: Eine Hauptmahlzeit kommt hinzu, nun dürfen Sie 1.200 kcal am Tag aufnehmen
3. Stufe: Jetzt nehmen Sie insgesamt drei Mahlzeiten auf und dürfen 1.600 kcal aufnehmen

Ergänzt wird die Diät mit Eiweißpulver, das der Arzt eigens für die 3-D-Diät zusammengestellt hat. Zudem müssen Sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, die den Appetit zügeln sollen und Fett verbrennen. Zu den eiweißhaltigen Nahrungsmitteln dieser Diät gehören Meeresfrüchte, Fisch, mageres Fleisch, Gemüse und Vollkornbrot. Begleitet wird die Diät von einem leichten Sportprogramm.

Die 3-D-Diät ist schwer durchzuhalten, weil die Ernährung einseitig ist. Zudem ist diese Diät sehr teuer, etwa 450 Euro im Monat für kostspielige Lebensmittel und besonders für das Eiweißpulver und die Nahrungsergänzungsmittel, die Sie ausschließlich beim Erfinder der 3-D-Diät, Dr. Houdret, kaufen können.

 

New-York-Diät

Die New-York-Diät ist eine Diät-Form, bei der auch weitgehend auf Kohlenhydrate verzichtet wird, allerdings weniger streng als bei anderen Low-Carb-Diäten. Sie wurde entwickelt vom Personal Trainer David Kirsch, auch Heidi Klum schwört auf diese Diät. Erlaubt sind bei der New-York-Diät Kohlenhydrate aus Obst und Gemüse, verzichten sollen Sie aber auf Reis, Kartoffeln, Nudeln, Brot und Zucker. Unterstützt wird die Diät mit einem Sportprogramm.

In den ersten zwei Wochen der New-York-Diät müssen Sie zunächst auf Fett und sämtliche Kohlenhydrate verzichten, auch auf Obst und Gemüse. Auf dem Speiseplan stehen eiweißhaltige Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Eier, Käse oder Hülsenfrüchte. Nach zwei Wochen dürfen Sie Obst und Gemüse essen und auch etwas mehr Fett aufnehmen. Weitere zwei Wochen später können Sie auch Lebensmittel mit einem höheren Fett- und Kohlenhydrate-Anteil essen. Sie müssen weiterhin Sport treiben. Erst wenn sich ihr Gewicht wieder erhöht, greifen Sie auf Lebensmittel zurück, die einen geringen Anteil an Kohlenhydraten haben.

 

Strunz-Diät

Die Diät von Dr. Ulrich Strunz entwickelt sich von einer Crash-Diät zu einem Ernährungsprogramm. Auch diese Diät-Form erlaubt nur Kohlenhydrate aus Obst und Gemüse und setzt verstärkt auf Eiweißprodukte. Wichtig bei der Strunz-Diät ist ein umfassendes Sportprogramm, bestehend aus Kraft- und Ausdauersport.

Besonders in den ersten sieben Tagen müssen Sie täglich mindestens eine halbe Stunde Sport treiben. Essen dürfen Sie nur Obst und Gemüse, als Hauptmahlzeit gibt es Eiweiß-Shakes. Die nächsten acht Wochen wechseln sich Tage ab, an denen Sie Fisch und Fleisch essen, und Tage, an denen Sie nur Gemüse, Obst und Eiweiß-Shakes zu sich nehmen. Erst wenn Sie Ihr Wunschgewicht erreicht haben, können Sie täglich, besonders abends, Fisch oder Fleisch mit Gemüse essen. Eiweiß-Shakes, Sport und viel Wasser gehören täglich dazu.

 

Steinzeitdiät

Die Steinzeitdiät wird auch Steinzeiternährung oder Paläo-Diät genannt. Sie ist eine Form der Eiweiß-Diät. Bei dieser Diät dürfen Sie nur das essen, was in der Steinzeit von den Menschen gegessen wurde. Glaubt man den Befürwortern dieser Diätform, aßen die Menschen oder deren Vorfahren in der Steinzeit vor allem eines: Fleisch. Erlaubt sind auch Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Schalentiere, Nüsse, frisches rohes Gemüse, Obst sowie Kräuter und Gewürze.

Nicht erlaubt sind Konservenprodukte und erzeugte Lebensmittel wie Milch, Zucker, Joghurt, Getreide, Brot, Olivenöl sowie Oliven und Alkohol. Trinken können Sie Wasser und Kräutertee. Was es in der Steinzeit nicht gab, soll heute für uns ungesund sein, weil sich unser Körper noch nicht an die heutigen Lebensmittel angepasst haben soll, so die Befürworter der Steinzeitdiät.

Es handelt sich jedoch nur um eine Annahme, sicher ist nicht, was damals tatsächlich gegessen wurde oder verfügbar war. Kritiker weisen darauf hin, dass die Steinzeit etwa einen Zeitraum von 2,4 Millionen Jahren umfasst und keiner der Befürworter war dabei, um sicher sagen zu können, welche Lebensmittel in der Steinzeit verzehrt wurden. Steinzeitmenschen mussten anpassungsfähig sein. Wetter, Umwelt, Jagdglück, Beute beeinflussten, was gegessen werden konnte. Auch heute müssen einige Kulturen anpassungsfähig sein, etwa die Massai oder die Tarahumara-Indianer, ohne dass es sich negativ auswirkt auf ihre Lebenserwartung oder ihre Gesundheit.