Nachweis: Emulgatoren fördern chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zusatzstoffe stehen im Verdacht gesundheitsschädigend zu sein

Viele Lebensmittel enthalten Emulgatoren. Die Zusatzstoffe sollen die Haltbarkeit verlängern oder die Konsistenz verbessern – z. B. den Brotaufstrich noch cremiger machen. Ihren guten Ruf haben die Emulgatoren jedoch mittlerweile eingebüßt, denn sie stehen im Verdacht gesundheitsschädigend zu sein und beispielsweise chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder das metabolische Syndrom auszulösen.

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Der menschliche Darm wird von Milliarden von Mikroorganismen besiedelt. Die Darmflora hat Einfluss auf den Stoffwechsel und Entzündungsprozesse.

 

 

Sind das metabolische Syndrom und die Zunahme von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Langzeitfolgen der Emulgatoren?

Eine neue Studie der Georgia State University fand nun neue Hinweise, dass Lebensmittelzusätze für die Gesundheit nicht das Beste zu sein scheinen. Bei Versuchen mit Mäusen förderten Emulgatoren Entzündungen im Darm. Sie stehen daher unter Generalverdacht, nicht nur chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sondern langfristig auch das metabolische Syndrom zu verursachen. Letzteres manifestiert sich in Übergewicht, Bluthochdruck, Probleme beim Fettstoffwechsel und einer Insulinresistenz. Die wachsende Zahl der Diabetes Typ 2-Erkrankungen sind eine Folge davon. Die Studie aus Georgia wurde jüngst im Fachmagazin Nature veröffentlicht. Als Fazit fordern die Wissenschaftler, dass Zusatzstoffe in Lebensmitteln gründlicher auf mögliche Langzeitfolgen getestet werden müssen.

Mit Sorge beobachten Experten, dass die Zahl der Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie der Colitis ulcerosa oder dem metabolischen Syndrom von Jahr zu Jahr zunimmt. Eine These besagt, dass diese, vielmals als Zivilisationskrankheiten bezeichneten Leiden, zum Teil auf eine Veränderung der Darmflora infolge der modernen Lebensweise einhergehen. Diese These stellten die Forscher auf den Prüfstand und untersuchten, ob moderne Lebensmittelzusätze die Arbeit der Darmbakterien so beeinflussen, dass Entzündungen gefördert werden.

 

Umfangreiche Studie an Mäuse erhärten Verdacht: Emulgatoren können Darmentzündungen auslösen

Für ihre Untersuchungen wählten die amerikanischen Forscher zwei gängige Lebensmittelzusätze – nämlich die Emulgatoren Polysorbat 80 und Carboxymethylcellulose (CMC) – aus. Sie gaben sie Mäusen ins Trinkwasser. Die Konzentration glich derjenigen, die auch bei Lebensmitteln üblich ist. Zwölf Wochen nach Testbeginn untersuchten die Wissenschaftler den Dickdarm der Mäuse. Als Vergleichsgruppe dienten Tiere, die Trinkwasser ohne Emulgatoren erhielten.

Normalerweise besiedeln den Darm Milliarden von Mikroorganismen. Eine Barriere aus Schleim trennt allerdings die Mikroorganismen von den Epithelzellen, mit denen die Darmwand ausgekleidet ist. Mit ihrer Studie konnten die Forscher nun nachweisen, dass die schützende Schleimschicht durch die Emulgatoren sehr viel dünner wird. Während sich die Darmbakterien im Normalfall nur auf 25 Mikrometer (bis 10 Mikrometer im Worst Case) den Epithelzellen näherten, schrumpfte der wichtige Sicherheitsabstand unter Einfluss der Zusatzstoffe auf maximal 12 Mikrometer bis Null Mikrometer. Manche Keime kamen so in Kontakt mit dem Epithel und könnten als Folge Entzündungen auslösen.

 

Zusatzstoffe in Lebensmittel verändern nachweisbar die Darmflora

Weiterhin konnten die Forscher nachweisen, dass sich in Folge der Emulgatoren die Bakteriengemeinschaften im Darm veränderten. Die Bakterien der Gattung Bacteroidales werden als positiv für die Gesundheit eingestuft. Ihr Anteil nahm durch die Zusatzstoffe ab. Dafür stieg die Anzahl der Bakterien Ruminococcus gnavus bzw. auch der Proteobacterie. Letztere stehen im Verdacht, Entzündungen zu fördern. Bei ersteren dagegen ist bekannt, dass sie Schleim lösen.

Außerdem beobachteten die Forscher verschiedene Typen von Mäusen. Einige waren genetisch anfälliger für Entzündungen. Bei diesen Tieren förderten die Zusatzstoffe Entzündungen des Dickdarms. Selbst bei „normalen“ Mäusen konnten die Forscher entzündliche Reaktionen nachweisen – schwächer, aber dennoch vorhanden. Die Tiere hatten auch mehr Hunger, d. h. sie fraßen mehr, was natürlich zu einer Gewichtszunahme führte. Dies könnte letztlich das metabolische Syndrom hervorrufen.

 

Bisherige Untersuchungen der Emulgatoren berücksichtigen nicht die langfristigen Effekte

Unter den Versuchstieren befanden sich auch sogenannte keimfreie Mäuse. Sie sind so gezüchtet, dass sie keine Darmbakterien haben. Die keimfreien Mäuse reagierten auch nicht auf die Emulgatoren. Doch die Forscher gingen noch einen Schritt weiter, um ihre Thesen zu überprüfen. Sie transplantierten daher den keimfreien Mäusen die Darmflora jener normalen Mäuse, die die Zusatzstoffe erhielten. Danach neigten die einst keimfreien Mäuse ebenfalls stärker zu Entzündungen. Aus ihren Beobachtungen schlussfolgern die Forscher, dass Darmbakterien die Neigung zu Entzündungen sowie den Stoffwechsel beeinflussen können. Und Emulgatoren beeinflussen wiederum die Darmbakterien.

Die Forscher fordern daher eine stärkere Prüfung von Lebensmittelzusätzen. Die Konzentration auf die Untersuchung von giftigen oder krebserregenden Effekten ist nicht ausreichend. Die Forscher sehen durchaus einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Verwendung von Emulgatoren und dem Anstieg der Fällen von entzündlichen Darmerkrankungen sowie des metabolischen Syndroms.

 

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