Neugeborene: Der Nestschutz sorgt für erste Abwehrkräfte

Clever eingerichtet - Antikörper der Mutter für den Nachwuchs

Sobald die Nabelschnur und damit die ganz besondere Verbindung von Mutter und Kind durchtrennt ist, ist das Neugeborene auf sich allein gestellt. Da Babys noch kein entwickeltes Immunsystem haben, ging man lange Zeit davon aus, dass sie nicht nur winzig und hilflos, sondern auch Krankheiten schutzlos ausgeliefert sind. Doch dem ist nicht so. Mutter Natur hat den Nestschutz „erfunden“. Er schützt Babys in den ersten Lebenswochen und -Monaten vor vielen Krankheiten.

© PublicDomainPictures / pixabay.com

Der von der Mutter dem Neugeborenen mitgegebene Nestschutz sorgt dafür, dass sich Säuglinge in den ersten Monaten gegen Krankheitserreger erwehren kann. Je mehr Antikörper die Mutter besitzt, desto besser ist der Schutz für den Nachwuchs.

 

Antikörper der Mutter sind das Reservoir, aus dem der Nestschutz des Kindes sich bedienen kann

Im Bauch von Mama sind die Babys von der Außenwelt entkoppelt und bekommen eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung aller erster Güte. Doch bereits unmittelbar nach der Geburt wird das Neugeborene mit den ersten Viren und Bakterien konfrontiert. Das Immunsystem muss jedoch erst noch lernen, wie es die Erreger am besten abwehren kann. Doch ganz so hilflos ist das Neugeborene den Krankheitserregern nicht ausgeliefert. Es hat von Mama wichtige Antikörper mitbekommen. Diese wehren die Krankheitserreger ab und helfen dem kindlichen Immunsystem auf die Sprünge. Dieser von der Natur klug eingefädelte Abwehrmechanismus ist als Nestschutz bekannt. Gegen je mehr Krankheiten die Mutter Antikörper besitzt, desto umfangreicher ist auch der an den Nachwuchs mitgegebene Nestschutz. Mit dem Durchtrennen der Nabelschnur ist das Kind allerdings vom mütterlichen Antikörperreservoir abgeschnitten. Zum Glück jedoch gibt es Muttermilch. Gestillte Kinder bekommen weiterhin Antikörper. Der Nestschutz sorgt ca. drei Monate lang dafür, dass das Kind sich gegen Krankheiten behaupten kann. Danach wird der Nestschutz schwächer, weil sich mittlerweile auch die eigene Immunabwehr aufbaut.

 

Das sich aufbauende, kindliche Immunsystem braucht Bakterien und Viren als Trainingspartner

Durch zunehmende soziale Kontakte und mit dem Fühlen und Begreifen seiner Umwelt trainiert sich das kindliche Immunsystem selbst, da es mit jedem Kontakt zu einem neuen Erreger dazulernt. Infekte und Impfungen sind wichtig, denn nur so kann sich ein gesundes Immunsystem aufbauen.

Bis die Reifung des Immunsystems abgeschlossen ist, vergehen Jahre. Doch die Grundsteine werden bereits in den ersten Lebenswochen und -Monaten gelegt: Nestschutz, Stillen und Impfungen. Eltern sollten daher nicht versuchen, ihr Baby mit einer übertriebenen Hygiene vor sämtlichen Gesundheitsgefahren zu schützen. Nicht jede Oberfläche muss mit Desinfektionsmittel behandelt werden. Auch sollte man nicht auf Spaziergänge an der frischen Luft verzichten – nur weil gerade Grippesaison ist. Allerdings ist es durchaus sinnvoll, in der Grippezeit größere Menschenansammlungen und volle Wartezimmer zu vermeiden, wenn man mit einem Neugeborenen unterwegs ist.

 

 

Frühchen haben den Nestschutz kaum mitbekommen

Diese allgemeinen Regeln gelten nicht bei extremen Frühchen. Hier ist besondere Vorsicht nötig, da die Kleinen den Nestschutz kaum mitbekommen konnten. Dieser wird nämlich erst im letzten Schwangerschaftsdrittel gebildet, wenn die Abwehrstoffe der Mutter ins kindliche Blut übergehen. Daher sind Frühchen sehr anfällig für Infektionen und selbst eigentlich harmlose Infekte können hier einen schlimmen Verlauf nehmen. Auf strengste Hygiene und Infektionsvermeidung ist daher bei Frühchen zu achten.

 

Häufige Krankheiten im ersten Lebensjahr haben keinerlei Auswirkungen auf die spätere Gesundheit

Gesunde Babys jedoch leiden kaum unter einfachen Infekten, solange der Nestschutz aktiv ist. Danach ändert sich das. Vor allem in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres wollen manche Eltern beinahe verzweifeln, weil das Kleine sich ständig einen Infekt nach dem anderen einfängt, während andere Kinder nie krank zu sein scheinen. Jeder Mensch und damit jedes Kind reagiert jedoch anders auf Erreger. Bei einigen Kindern setzt sich der Körper im Stillen mit den Erreger auseinander, d. h. sie zeigen keine auffälligen Krankheitssymptome während andere mit Fieber, Abgeschlagenheit und mehr zu kämpfen haben. Experten halten bis zu sechs Infekte pro Winter für völlig normal und unbedenklich. Sie können die Eltern beruhigen: Denn egal ob ein Kind im ersten Lebensjahr eher viel oder eher weniger krank ist, es hat wenig Auswirkungen auf die spätere Gesundheit. Das Immunsystem kommt auf jeden Fall mit Bakterien, Keimen und Viren in Kontakt und wird so oder so trainiert.

 

 

Disclaimer
Die Beiträge von gesundheit-information.de enthalten lediglich Hinweise. Nutzen Sie die Beiträge und Informationen nicht zur Selbstbehandlung. Sie ersetzen keineswegs einen Arztbesuch. Ihre speziellen Fragen können wir leider nicht beantworten.