Rezeptfreie Medikamente: Nicht ohne Risiken und Wechselwirkungen

Zur Sicherheit: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Wer in der Erkältungszeit an Husten und Schnupfen leidet, probiert es zunächst mit den altbewährten Hausmitteln. Helfen diese nicht weiter, erfolgt der Gang in die Apotheke. Dort deckt man sich mit rezeptfreien Medikamenten ein. Erst wenn diese nicht wie gewünscht anschlagen, geht man in der Regel zum Arzt. Die Behandlung in Eigenregie passiert auch bei anderen, vermeintlich harmlosen Leiden wie Verstopfung, Schlaflosigkeit oder Kopfschmerzen. Zum Glück gibt es ja genügend rezeptfreie Arzneimittel in der Apotheke. Doch diese sind bei weitem nicht so harmlos, wie es viele glauben. Alle haben auch Nebenwirkungen. Dazu können Wechselwirkungen untereinander bzw. mit verschriebenen Medikamenten auftreten. Von daher ist eine entsprechende Beratung von Arzt und Apotheker unerlässlich.

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Rezeptfreie Medikamente sind nicht so harmlos, wie viele Menschen glauben. Auch hier gibt es nicht ungefährliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit den vom Arzt verschriebenen Medikamenten.

 

Der Senioren-Ratgeber fand bei einer repräsentativen Umfrage heraus, dass 85 Prozent der Deutschen bei einem Schnupfen sich zunächst selbst behandeln – mit rezeptfreien Arzneimitteln aus der Apotheke und ohne vorher einen Arzt zu konsultieren. Fast jedes zweite Medikament ist ein Selbstverordnetes. Bauchgrummeln, Ischias oder die Triefnase sind typische Beispiele. Doch nicht alle Beschwerden, bei denen die Bundesbürger zunächst auf Eigentherapie setzen, sind harmlos. Bei vielen müsste ein Arzt auf Ursachenforschung gehen und eine entsprechende Therapie beginnen. Nur der Fachmann erkennt, ob sich rezeptfreie Mittel und verordnete Medikamente miteinander vertragen. Wer keine Lust auf Sprechstunde und Wartezimmer hat, sollte sich also zumindest in der Apotheke die Zeit für eine ausführliche Beratung nehmen.

 

Rezeptfreie Medikamente: Nasentropfen / Nasensprays

Wenn die Nase zu ist, greifen viele Bundesbürger zu Nasentropfen. Sie sorgen dafür, dass die durch die Schnupfenviren angeschwollene Nasenschleimhaut schnell abschwillt, man wieder durchatmen kann und das Druckgefühl im Kopf durch abfließendes Sekret nachlässt. Viele Nasentropfen und Nasensprays enthalten den Wirkstoff Xylometazolin. Er verengt die Blutgefäße in der Nase. Doch Xylometazolin ist nicht für den Dauergebrauch geeignet, weil sonst ein Gewöhnungseffekt eintritt und man abhängig von Nasentropfen/Nasensprays werden kann. In Folge dieser Abhängigkeit wird die Nasenschleimhaut geschädigt. Der Experte spricht dann von einer sogenannten Arzneimittel-Rhinitis.

Als Faustregel gilt daher: Nehmen Sie abschwellende Nasentropfen nicht häufiger als dreimal am Tag und maximal eine Woche lang. Die bessere Alternative sind übrigens Nasentropfen auf Kochsalzbasis.

 

Rezeptfreie Medikamente: Schlafmittel (Hypnotika)

Wer unter Schlafproblemen leidet, versucht mit Hilfe von Schlafmitteln ins Land der Träume zu finden. Gerade viele ältere Menschen haben Probleme beim Einschlafen und Durchschlafen bzw. glauben, dass sie ein Problem damit haben. In Wirklichkeit ist dies vielfach nicht so, denn Senioren haben generell einen geringeren Schlafbedarf. Doch was ältere Menschen meist noch haben: alterstypische Krankheiten wie z. B. Probleme mit der Prostata. Viele Schlafmittel enthalten jedoch Wirkstoffe, die genau in solchen Fällen nicht zum Einsatz kommen sollten.

Die bessere Alternative sind daher schlaffördernde Arzneimittel auf pflanzlicher Basis. Extrakte aus Baldrian, Hopfen, Passionsblume oder Melisse fördern den gesunden Schlaf. Sie wirken jedoch nicht sofort, sondern erst nach ein bis zwei Wochen.

Diese Mittel haben auch nicht die Nebenwirkung, dass sie Verwirrung auslösen. Es kommt gar nicht so selten vor, dass sich eine vermeintlich beginnende Demenz als Nebenwirkung der Schlafmittel entpuppt. Ein sanfter Entzug kann dann viel an Lebensqualität für die Betroffenen zurückbringen.

Bevor man also zu Medikamenten greift, empfehlen Experten: Wer abends schlecht einschlafen kann, sollte zunächst bewusst Rituale schaffen und auf eine entsprechende Schlafhygiene achten. Ihr Arzt oder Apotheker kann zu diesem Thema wertvolle Tipps geben.

 

Rezeptfreie Medikamente: Schmerzmittel (Analgetika)

Für Schmerzmittel läuft das Marketing der Hersteller auf Hochtouren. Daher verwundert es nicht, dass viele Menschen in der Apotheke nach konkreten Marken bzw. Präparaten fragen. Doch nicht jeder Schmerz ist mit einem Aspirin zu behandeln. Von daher sollte man zumindest dem Apotheker sagen, wo der Schmerz sitzt und seit wann er auftritt. Er kann dann viel leichter, ein wirklich geeignetes Schmerzmittel empfehlen.

Gerade bei Schmerzen sollte die Phase der Selbstmedikation besonders kurz sein, weil man auch hier schnell in einen Teufelskreis gerät: Schmerzmittel können nämlich Kopfschmerzen verursachen. Vor allem für alle Kopfschmerz-Geplagten und Migräne-Patienten ist diese Information sehr wichtig. So mancher nimmt wegen seiner Kopfschmerzen Schmerzmittel, wundert sich, dass kaum noch etwas hilft und kommt gar nicht auf die Idee, dass er genau erst aufgrund der Schmerzmittel Kopfschmerzen hat.

Doch es gibt auch hier eine Faustregel, an die man sich stets halten sollte: Schmerzmittel dürfen höchstens drei Tage hintereinander und an maximal zehn Tagen im Monat genommen werden.

Viele Schmerzmittel nehmen nicht nur den Schmerz, sie haben auch eine entzündungshemmende Wirkung. Bei Gelenkproblemen kann das sogar erwünscht sein. Wer Schmerzmittel nimmt, sollte die Nebenwirkungen gut im Auge behalten. Viele schlagen auf den Magen. Eine Überdosierung mit Paracetamol beispielsweise kann schwere Leber- und Nierenschäden hervorrufen. Dies ist mit ein Grund, warum Experten eine Rezeptpflicht für den Wirkstoff Paracetamol fordern.

Auch Herz-Kreislauf-Patienten müssen aufpassen. Wer Gerinnungshemmer verschrieben bekommt, sollte kein ASS-Präparat ohne Zustimmung des Arztes nehmen.

 

Rezeptfreie Medikamente: Abführmittel (Laxativa)

Probleme mit dem Stuhl oder nicht. Viele Menschen denken, dass es ein schlechtes Zeichen ist, nicht jeden Tag groß auf der Toilette zu  müssen. Doch die Häufigkeit des Stuhlgangs variiert genauso wie der Charakter der Menschen. Zwischen drei Mal pro Tag oder dreimal pro Woche liegt alles völlig im normalen Rahmen.

Viele Menschen jedoch glauben unter Verstopfung zu leiden und nehmen Abführmittel. Diese Medikamentengruppe zählt daher zu den am häufigsten nachgefragten Präparaten und sind in jeder Apotheke in ausreichender Menge vorrätig. Es gibt sie als Tropfen, Dragee und Zäpfchen. Doch bei häufigerer Anwendung besteht auch hier eine Gefahr der Gewöhnung und Abhängigkeit. Dann dreht sich die gewünschte Wirkung ins Gegenteil um. Anstatt den Stuhl zu verdünnen bzw. die Darmtätigkeit anzuregen, wird der Stuhl immer fester, sodass es zur paradoxen Situation kommt, dass Abführmittel selbst Verstopfung auslösen können.

Abführmittel sollten daher nur kurzfristig eingesetzt werden. Wer dauerhaft Probleme mit festem Stuhl hat, sollte zunächst an anderen Stellschrauben drehen und beispielsweise auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten. Hilft dies nicht weiter, sind Quellstoffe wie Leinsamen oder Flohsamen die bessere Wahl. Sie binden die Flüssigkeit im Darm und weichen so den Stuhl auf.

Wer regelmäßig unter schmerzhaften Verstopfungen leidet, sollte sich nicht scheuen, eine Arzt aufzusuchen und die Ursachen der Obstipation abklären lassen. Eine ernsthafte Erkrankung wie z. b. die Störung des Elektrolythaushaltes oder Darmpolypen kann dahinter stecken.

 

Von daher gilt auch bei den rezeptfreien Medikamenten der vielzitierte Satz: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

 

 

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