Risiko für Demenz aktiv mit Sport und gesunder Ernährung senken

Ausgewogene Ernährung und Sport kann vor Alzheimer schützen

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und Sport senkt das Demenzrisiko erheblich. Selbst wenn bereits erste Gedächtnislücken auftreten, können Senioren so wesentlich länger geistig fit bleiben. Das legt jetzt eine Studie aus Skandinavien nahe. Ein Ergebnis, das vielen Betroffenen Mut macht.

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Demenz ist bislang nicht heilbar. Doch Studienergebnisse aus Skandinavien zeigen, dass mehr Bewegung und gesunde Ernährung positiven Einfluss nehmen und die Krankheit verzögern können. Es ist also nie zu spät, sich zu ändern! Profitieren Sie vom gesünderen Lebensstil!

 

Demenz ist bislang nicht heilbar. Es gibt ein paar Medikamente, die den Verlauf verzögern. Allerdings sind diese nicht ohne Nebenwirkungen. Dennoch kann man aktiv einiges gegen die Demenz tun. Regelmäßiger Sport und eine gesunde Ernährung sind die großen Stellschrauben. Mit ihrer Hilfe lässt sich der Gedächtnisverlust aufhalten. Diese Ergebnisse veröffentlichten jüngst Forscher aus Skandinavien im Medizinjournal „The Lancet“. Die Forscher des Karolinska Institutet in Stockholm werteten gemeinsam mit Kollegen des National Institute for Health and Welfare in Helsinki sowie  der University of Eastern Finland eine großangelegte, randomisierte Kontrollstudie aus.

 

Wie wirkt sich ein gesunder Lebensstil auf die kognitiven Fähigkeiten der Senioren aus?

Bei ihren Untersuchungen ließen sich die Wissenschaftler von der Frage leiten, wie sich ein aktiver und gesunder Lebensstil auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Senioren auswirkt. Nach zwei Jahren steht fest: Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die weiterhin ihren ungesunden Lebensstil pflegte, verbesserte sich die allgemeine, mentale Verfassung der Probanden, die Sport machten und sich bewusst ernährten, um 25 Prozent. Nimmt man einzelne Bereiche heraus, dann treten noch deutlichere Unterschiede zu Tage. Im Vergleich zur Kontrollgruppe waren die Exekutivfunktionen des Gehirns um 83 Prozent gesteigert. Mit Exekutivfunktionen bezeichnen die Experten die Fähigkeit, Gedanken folgerichtig zu ordnen. Bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen lag die Verbesserung sogar bei 150 Prozent. Und obwohl die Gedächtnisleistung nicht explizit trainiert wurde, erholte sich diese ebenfalls leicht.

An der großangelegten Studie nahmen 1260 Finnen teil. Sie hatten ein Alter von 60 bis 77 Jahren. Es wurden dabei Senioren ausgewählt, bei denen ein erhöhtes Demenzrisiko diagnostiziert wurde und bei denen sich in Tests schon erste Gedächtnislücken zeigten. Ihr Ziel hatten die Forscher klar umrissen. Sie wollten prüfen, ob sich typische Demenz-Risikofaktoren wie Übergewicht und Bluthochdruck beeinflussen lassen, in dem die Probanden Sport machen und über gesünderes Essen aufgeklärt werden.

 

Sind ein intensives Sportprogramm, Computertraining sowie Ernährungsberatung der Schlüssel zum Erfolg?

Da es sich um eine Vergleichsstudie handelte, erfolgte eine Einteilung der Probanden in zwei Gruppen. Gruppe 1 bekam ein intensives Bewegungsprogramm verordnet. Auf dem Plan stand Krafttraining im Fitnessstudio (zwei- bis dreimal pro Woche) sowie ein Ausdauertraining mit Nordic Walking, Aqua Jogging, Jogging und Gymnastik (drei- bis fünfmal pro Woche). Zusätzlich musste diese Gruppe am PC ihre kognitiven Fähigkeiten trainieren. So sollten die exekutiven Funktionen des Gehirns gestärkt werden. Und damit noch nicht genug: Die Senioren aus Gruppe 1 erhielten eine ausführliche Ernährungsberatung, bei der ihnen empfohlen wurde, auf den Speiseplan viel Ost und Gemüse, Fisch, Vollkornprodukte und gute Fette mit vielen Omega-3-Fettsäuren zu setzen und Zucker sowie Salz zu reduzieren. Zur Ernährungsberatung gehörten auch Einzel- und Gruppensitzungen, bei denen die individuelle Ernährung besprochen wurde sowie eine Aufklärung über die Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht erfolgte.

Die schlechter abschneidende Gruppe 2 fungierte als Kontrollgruppe. Sie hatte weder ein Sportprogramm, noch ein PC-Training oder eine Ernährungsberatung. Diese Studienteilnehmer hörten lediglich dreimal im Jahr einen Vortrag über einen gesünderen Lebensstil.

 

 

Standardisiertes Testverfahren bestätigt vermutete Zusammenhänge

Die Werte der beiden Gruppen wurden mit einem standardisierten Testverfahren, dem NTB – Neuropsychological Test Battery – ermittelt. Dabei messen die Wissenschaftler bei einer Reihe von Tests die kognitiven Fähigkeiten und wie diese sich verändern. Das Testverfahren wurde entwickelt, um die Wirksamkeit von neuen Alzheimer-Medikamenten zu prüfen.

Frühere Studien hatten einen Zusammenhang zwischen dem Fortschreiten des Gedächtnisverlustes und dem Lebensstil nahe gelegt. Die skandinavische Studie belegt nun, dass ausgewogene Ernährung, ein gesundes Herz-Kreislaufsystem sowie Sport und Bewegung Senioren gut tun und außerdem dabei helfen, dass Demenzrisiko zu verringern.

 

Erkenntnis: Es ist nie zu spät für eine Änderung des Lebensstils

Daher ist es nie zu spät, seinen Lebensstil zu ändern: Mehr Sport und Bewegung, mehr Obst und Gemüse, weniger Salz und Zucker! Selbst wenn es bereits kognitive Beeinträchtigungen gibt, ist die Gesundheitserziehung ein wichtiger Ansatzpunkt im Kampf gegen die Erkrankung.

In Deutschland leben ca. 1,5 Millionen Menschen mit der Diagnose „Demenz“. Jedes Jahr kommen ca. 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Mit modernen Medikamenten, den sogenannten Cholinesterase-Hemmern, kann man momentan den Krankheitsverlauf im Frühstadium hemmen bzw. um wenige Monate hinauszögern. Auch wenn die ersten Ergebnisse bislang sehr vielversprechend sind, eine Antwort auf die Frage „Lässt sich die Demenz mit einem gesunden Lebensstil vielleicht sogar ganz verhindern?“ gibt es frühestens in sieben Jahren. Dann nämlich erst ist die skandinavische Studie beendet.

 

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