Schlaganfall: Langschläfer bitte aufwachen

Vielschläfer haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Forscher der Universität Cambridge haben einen beunruhigenden Zusammenanhang entdeckt. Statistisch gesehen erleiden Langschläfer häufiger einen Schlaganfall. Wer also mehr als acht Stunden pro Tag im Bett verbringt, für den steigt, im Vergleich zum Normalschläfer, das Risiko an ernsthaften Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken.

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Für Eisbären ist es ganz normal, etwa 66 % ihrer Zeit schlafend oder dösend zu verbringen. Menschliche Langschläfer sollten dagegen auf ihre Gesundheit achten. Vielschläfer haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z. B. einen Schlaganfall zu erleiden.

 

Mittlerweile weiß jeder, dass zu wenig Schlaf nicht sonderlich gut für die Gesundheit ist, denn wer dem Körper auf Dauer Schlaf entzieht, neigt zur Gewichtszunahme, klagt häufiger über Beschwerden und dessen Gedächtnisleistung nimmt nachweisbar ab. Also spricht alles für die Devise: Je mehr Schlaf, umso besser?

Nun warnen Forscher der Universität Cambridge im Fachmagazin Neurology vor zu viel Schlaf. Ihre Studie zeigt, dass sich Vielschläfer diversen Risiken aussetzen. So konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass Menschen, die mehr als acht Stunden schlafen, häufiger die Diagnose „Schlaganfall“ erhalten.

 

Vielschläfer haben ein deutlich erhöhtes Schlaganfall-Risiko

Für Ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler beinahe 10.000 Menschen, die zwischen 42 und 81 Jahre alt waren. Sie beobachten die Probanden zehn Jahre lang und erfassten dabei die Lebensgewohnheiten wie Schlafdauer und die Beschwerden.

Zwei Drittel der Untersuchten gab an, dass sie nachts zwischen sechs und acht Stunden schlafen würden. Sie waren damit die „Normalschläfer“. Doch jeder zehnte Teilnehmer sagte aus, dass er mehr als Stunden Schlaf benötige. Letztere bildeten die Gruppe der „Vielschläfer“. Hier konnte ein um 46 Prozent erhöhtes Risiko nachgewiesen werden, einen Schlaganfall zu erleiden. Auch bei den Kurzschläfern, die mit weniger als sechs Stunden Schlaf auskommen, gab es etwas häufiger Schlaganfälle. Doch die statistische Aussagekraft dieses Unterschiedes schätzen die Experten als marginal ein. Die Korrelation bei den Langschläfern alarmiert sie dafür umso mehr.

 

Ursachen für die Korrelation „Langschläfer = potentieller Schlaganfall-Patient“ bislang unbekannt

Anhand der Zahlen allein können die Wissenschaftler jedoch keine abschließende Aussage treffen. Sie wissen nicht, ob das vermehrte Schlafbedürfnis ein Symptom, ein frühes Anzeichen oder die eigentliche Ursache für Herz-Kreislauf-Probleme sein könnte. Logischerweise entwickeln Patienten, bei denen sich eine Krankheit anbahnt, ein generell höheres Schlafbedürfnis. Es ist allerdings auch denkbar, dass der Schlaf selbst, wenn ihm im Übermaß nachgegeben wird, den Ausbruch der Krankheit fördert. Welcher Mechanismus wirklich dahinter steckt, da tappen die Forscher derzeit völlig im Dunkeln. Sie spekulieren allerdings darauf, dass das Liegen in der Horizontalen für mehr als acht Stunden nicht gut für die Blutgefäße sein könnte. Auf diesen Zusammenhang deuten einige andere Untersuchungen hin. So fand man bei Langschläfern vermehrt Entzündungsstoffe im Blut. Diese stehen im Verdacht, diverse Herzkrankheiten wie verstopfte Halsarterien, Vorhofflimmern oder Bluthochdruck auszulösen. All das sind bekannte Vorboten eines Schlaganfalls.

Daher sind weitere Studien zu den Schlafgewohnheiten erforderlich. Im Idealfall jedoch könnten die Wissenschaftler aus Cambridge auch ein Frühwarnsignal entdeckt haben. Dann müssten bei all jenen Menschen die Alarmglocken schrillen, die normalerweise mit wenig Schlaf auskamen und plötzlich mehr Schlaf bräuchten. Wenn anhand dieses Signals weitere Untersuchungen beginnen würden und beispielsweise der Blutdruck gezielt gesenkt werden könnte, dann ließen sich womöglich viele Schlaganfälle vermeiden.

 

Gesteigertes Schlafbedürfnis womöglich ein Frühwarnsignal für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Auf Erklärungen, was die Ursache für das beobachtete Phänomen ist, müssen wir wohl noch einige Zeit warten. Bis dahin sollten Vielschläfer achtsam sein und sich notfalls vom Arzt gründlich durchchecken lassen. Zu viel Schlaf ist schließlich nicht immer gut und komischerweise kennt der menschliche Körper das eigentliche Schlafbedürfnis sehr genau. Schlafforscher konnten nämlich nachweisen, dass die durchschnittliche Schlafdauer sich kaum verändert hat: Sie liegt etwas über sieben Stunden, egal welchen Kontinent oder welches Jahrhundert man auch betrachtet: Der Schlaf ist eine der wenigsten Konstanten im menschlichen Leben.

 

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